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Die grosse Abrechnung beginnt - eine Analyse und ein Ausblick in 2 Teilen

10+1 Trend für 2026 (Teil 1)

TLDR: Das Jahr 2026 markiert den Übergang von der KI-Spielphase zur Industrialisierungsphase. Streaming-Werbung wird unsichtbarer, KI-Girlfriends werden zum Milliarden-Markt mit gesellschaftlicher Sprengkraft, Cyberangriffe industrialisieren sich durch autonome Agenten, "Vibe Coding" trifft auf Enterprise-Realität, und OpenAI kämpft ums Überleben trotz technologischer Führerschaft. Dieser erste Teil beleuchtet fünf Trends, die das Technologiejahr 2026 prägen werden - alle Ideen sind meine persönliche Meinung und ich bin gespannt was Du sagst.

Wenn wir ehrlich sind, war 2025 das Jahr des Hypes. Jede Konferenz, jeder LinkedIn-Post, jedes Strategiepapier trug die Überschrift "KI verändert alles". Doch 2026 beginnt anders. Es ist das Jahr der Abrechnung - oder wie es im Englischen so treffend heisst: "The Great Sobering". Die Technologie, die uns in den letzten drei Jahren fasziniert hat, muss nun beweisen, dass sie nicht nur beeindruckend ist, sondern auch wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich verantwortbar.

Die folgenden ersten fünf Trends bilden den ersten Teil meiner Analyse für das Jahr 2026. Jeder Trend wird mit einem soliden Fundament aus aktuellen Daten untermauert und gleichzeitig kritisch hinterfragt.

1. Werbung in Streaming-Plattformen: Die unsichtbare Revolution

Die These: Subtile, dynamische Product Placements ersetzen klassische Werbespots.

Das Fundament

Die Technologie für "Virtual Product Placement" (VPP) ist 2026 ausgereift. Anbieter wie Amazon und NBCUniversal haben die Infrastruktur etabliert, um nachträglich digitale Assets in bereits produzierte Szenen zu integrieren – angepasst an das individuelle Nutzerprofil (Digiday, 2025). Stell dir vor: Du siehst dieselbe Serie wie dein:e Nachbar:in, aber die Cola-Dose auf dem Tisch trägt bei dir das Logo von Rivella, während dein:e Nachbar:in Red Bull sieht.

Der Markt für Streaming-Werbung wächst massiv, weil Zuschauer:innen klassische Unterbrechungen zunehmend ablehnen (Future Market Insights, 2025). Die durchschnittliche Toleranz für Pre-Roll-Werbung sinkt, während die Akzeptanz für nahtlos integrierte Produktplatzierungen steigt – vorausgesetzt, sie stören das Seherlebnis nicht.

Der kritische Gegenwind

Doch hier lauert die Falle: der "Uncanny Valley"-Effekt für Objekte. Wenn die KI-generierte Dose im Film physikalisch nicht perfekt mit dem Licht der Szene interagiert, wenn der Schatten nicht stimmt oder das Objekt einen Millimeter zu weit vorne steht, registriert unser Gehirn sofort: "Hier stimmt etwas nicht." Erste Studien zeigen eine paradoxe "Werbe-Blindheit" bei schlecht umgesetztem VPP – das Produkt wird nicht nur ignoriert, sondern aktiv als Störfaktor wahrgenommen, was den Return on Investment vernichtet (Instinctools, 2025).

Noch brisanter: Der Backlash der Creator:innen. Regisseur:innen und Showrunner:innen haben begonnen, Klauseln in ihre Verträge zu schreiben, die "nachträgliche Pixel-Manipulation" verbieten. Die künstlerische Integrität ihrer Werke steht auf dem Spiel. Wenn Netflix beginnt, in "Stranger Things" nachträglich Produkte einzufügen, die zum Zeitpunkt der Produktion nicht existierten – wo endet das? Die Grenze zwischen Kunst und Werbefläche verschwimmt gefährlich.

2. Rise of AI Girlfriends: Die Einsamkeitsökonomie

Die These: Emotionale KI-Interaktion wird zum skalierbaren Geschäftsmodell mit gesellschaftlicher Sprengkraft.

Das Fundament

Der Markt für "AI Companions" wird auf über 36 Milliarden USD geschätzt und wächst rasant (AInvest, 2025). Apps, die emotionale Abhängigkeit monetarisieren, weisen extrem hohe Retentionsraten auf – aus einem einfachen Grund: Anders als Menschen sind diese digitalen Begleiter:innen immer verfügbar, immer validierend, nie müde, nie genervt, nie mit eigenen Problemen beschäftigt.

In einer Zeit, in der Einsamkeit zur gesellschaftlichen Epidemie geworden ist, füllen diese Anwendungen eine schmerzhafte Lücke. Die Zielgruppe ist breiter als oft angenommen: nicht nur sozial isolierte Einzelgänger:innen, sondern auch gestresste Berufstätige, die nach emotionaler Entlastung suchen, oder Menschen in Fernbeziehungen, die nach Trost suchen.

Der kritische Gegenwind

Die "Pimping Algorithms"-Debatte ist 2026 in vollem Gange. Wir sehen die ersten grossen Klagen wegen psychischer Schäden und Suchtverhalten. Wenn ein Algorithmus darauf optimiert ist, dich emotional abhängig zu machen, damit du weiter zahlst – ist das nicht eine Form der digitalen Ausbeutung?

Der EU AI Act und Schweizer Regulatoren prüfen verschärfte Kennzeichnungspflichten für synthetische Emotionen (Technology's Legal Edge, 2025). Die Idee: Jede Interaktion mit einem KI-Companion müsste mit einem Hinweis versehen werden – "Dies ist keine echte Empathie." Doch wenn Nutzer:innen ständig daran erinnert werden, dass sie mit einem Bot sprechen, bricht die Immersion – und damit die Zahlungsbereitschaft – zusammen (NQuiring Minds, 2025).

Die eigentliche Frage ist tiefgreifender: Was passiert mit einer Gesellschaft, die emotionale Bedürfnisse zunehmend an Maschinen auslagert? Die Forschung zu diesem Thema steckt noch in den Kinderschuhen, aber die Warnsignale sind unübersehbar.

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3. Cyberangriffe: KI industrialisiert den digitalen Krieg

Die These: KI macht Cybersecurity zur Chefsache – vom Hacker-Handwerk zur automatisierten Fliessbandarbeit.

Das Fundament

2026 ist das Jahr der "Agentic Ransomware". Kriminelle Gruppen wie DireWolf (aufgetaucht im Mai 2025) nutzen autonome KI-Agenten, die nicht mehr nur verschlüsseln, sondern vorher systematisch Backups löschen, gestohlene Daten analysieren und sogar die maximale Erpressungssumme berechnen – eine Art "Pricing Optimization" für Kriminelle (Stellar Cyber, 2025; Cyble, 2025).

Die "Barriers to Entry" für Cyberkriminelle sind gefallen. Du brauchst kein Coding mehr, nur noch Prompts. Ein technisch mittelmässig begabter Teenager kann mit den richtigen KI-Tools mehr Schaden anrichten als ein erfahrener Hacker vor fünf Jahren. Der Fall Arup, bei dem ein Deepfake-CEO-Betrug zu einem Verlust von 25 Millionen USD führte, ist keine Ausnahme mehr, sondern wird zum Standard (Future CISO, 2026; Trend Micro, 2025).

Der kritische Gegenwind

Die Verteidigung rüstet ebenfalls auf. "Agentic Defense" bedeutet, dass Unternehmens-KIs Angriffe in Echtzeit parieren, bevor ein Mensch überhaupt den Alarm sieht. Es entsteht ein digitales Wettrüsten, bei dem menschliche Administrator:innen zunehmend zu Zuschauer:innen werden (ECCU, 2026).

Doch die eigentliche Disruption kommt von einer anderen Seite: der Versicherbarkeit. Cyber-Versicherungen beginnen, "KI-fahrlässige" Schäden auszuschliessen. Wer keine "Agentic Defense" nachweisen kann, bekommt schlicht keinen Versicherungsschutz mehr (Stellar Cyber, 2025). Das macht Cybersecurity nicht nur zur Chefsache, sondern zur Existenzfrage. Ein erfolgreicher Angriff ohne Versicherungsdeckung kann ein mittelständisches Unternehmen in die Insolvenz treiben.

übrigens: sehen wir uns an den SichtbarkAItstagen am 13.1?

4. Google und das Ende von "Vibe Coding"

Die These: Enterprise-Standards verdrängen spielerische No-Code-Experimente.

Das Fundament

"Vibe Coding" – das intuitive Programmieren durch Prompts ohne tiefes Code-Verständnis – wird in Unternehmen 2026 als technisches Schuldengrab erkannt. CTOs verbieten zunehmend "Blind Prompting", da der generierte Code oft Sicherheitslücken enthält, die erst Monate später explodieren (Superblocks, 2025; Raconteur, 2025).

Google und andere Tech-Giganten pushen "Enterprise Guardrails" – strenge Protokolle, die jeden KI-generierten Code überprüfen, bevor er in Produktion geht. Der Grund ist simpel: Die technischen Schulden aus der Experimentierphase 2023-2025 werden fällig. Systeme, die mit Vibe Coding erstellt wurden, erweisen sich als Wartungsalpträume (Fast Company, 2025).

Der kritische Gegenwind

Innovation stirbt im Korsett. Startups, die weiter "dirty & fast" mit Vibe Coding arbeiten, überholen etablierte Player, die in Compliance ersticken. Der Markt spaltet sich in "Slow & Safe" (Enterprise) und "Fast & Risky" (Disruptors). Welches Modell gewinnt, ist noch offen.

Noch kritischer: der Talent-Mangel. Eine ganze Generation von Junior-Entwickler:innen hat nie "richtig" Coden gelernt. Sie haben mit ChatGPT angefangen und nie verstanden, was unter der Haube passiert. Unternehmen stehen vor einem Dilemma: Entweder unsicheren KI-Code akzeptieren oder teure Senior-Entwickler:innen bezahlen, die den KI-Output fixen. Beides kostet – nur an unterschiedlichen Stellen.

5. OpenAI ohne stabiles Businessmodell wird sterben

Die These: Technologische Führerschaft ohne klare Monetarisierungslogik – OpenAI wird untergehen oder gekauft.

Das Fundament

Die Zahlen sind brutal. Prognosen für 2026 zeigen einen Verlust von bis zu 14 Milliarden USD bei OpenAI (Reelmind AI, 2025). Der kumulierte "Cash Burn" bis 2029 wird auf 115 Milliarden USD geschätzt (Reuters, 2025). Die Infrastrukturkosten für Compute wachsen schneller als der Umsatz – trotz der beeindruckenden 12 Milliarden USD Annual Recurring Revenue (SaaStr, 2025).

Der Druck durch Open-Source-Modelle wie Llama und Googles Gemma drückt die Preise für "Intelligence" gegen Null. Was heute noch Premium ist, wird morgen Commodity. OpenAI sitzt auf einem schrumpfenden Wettbewerbsvorteil (eMarketer, 2025).

Der kritische Gegenwind

"Too Big to Fail" ist das Schlüsselwort. OpenAI ist 2026 weniger ein Startup als vielmehr systemrelevante Infrastruktur – vergleichbar mit einem Energieversorger. Microsoft oder staatliche US-Akteure werden einen Kollaps verhindern, um die Kontrolle über die "Intelligenz-Pipeline" nicht an China (ByteDance) zu verlieren (Fortune, 2025; AInvest, 2025).

Das Geschäftsmodell wechselt möglicherweise von "Profit" zu "Nationale Sicherheit". Was bedeutet das für europäische Unternehmen, die auf OpenAI setzen? Die Abhängigkeit von einer Firma, die möglicherweise zum verlängerten Arm amerikanischer Geopolitik wird, sollte uns nachdenklich stimmen. Hier liegt die strategische Chance für europäische Souveränitätsprojekte wie APERTUS in der Schweiz.

Und darum bin ich nach wie vor überzeugt: Die Zukunft gehört nicht mehr dem Experimentieren und Staunen, sondern dem strategischen Gestalten mit intelligenten Systemen. Wir stehen am Beginn einer Ära, in der die Grenzen zwischen Spielphase und Industrialisierung neu gezogen werden – einer Ära, in der nicht mehr die Faszination für KI entscheidet, sondern die Fähigkeit, sie verantwortungsvoll und wirtschaftlich tragfähig einzusetzen. Also wenn Du reden willst, und wenn Du mit mir zusammenarbeiten willst: melde Dich gerne www.rogerbasler.ch

Disclaimer: Dieser Artikel wurde nach meinem eigenen Wissen und dann mit Recherchen mit KI (Perplexity.Ai sowie Gemini.Google.com) manuell zusammengestellt und mit Deepl.com/write vereinfacht. Der Text wird dann nochmals von zwei Personen meiner Wahl gelesen und kritisch hinterfragt. Das Bild stammt von Ideogram.Ai und ist selbst erstellt. Dieser Artikel ist rein edukativ und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bitte melde dich, wenn Du Ungenauigkeiten feststellst, danke.

Quellen und weitere Informationen:

AInvest. (2025). AI companionship market explosive growth potential. https://www.ainvest.com/news/ai-companionship-market-explosive-growth-potential-2507/

AInvest. (2025). OpenAI compute margin surge path profitability AI era. https://www.ainvest.com/news/openai-compute-margin-surge-path-profitability-ai-era-2512/

Cyble. (2025). 10 new ransomware groups of 2025 threat trend 2026. https://cyble.com/knowledge-hub/10-new-ransomware-groups-of-2025-threat-trend-2026/

ECCU. (2026). Cybersecurity trends 2026. https://www.eccu.edu/blog/cybersecurity-trends-2026/

eMarketer. (2025). OpenAI forecast 143 billion loss raises stakes AI monetization. https://www.emarketer.com/content/openai-forecast-143-billion-loss-raises-stakes-ai-monetization

Fast Company. (2025). Vibe coding meets enterprise reality. https://www.fastcompany.com/91466612/vibe-coding-meets-enterprise-reality

Fortune. (2025). OpenAI compute margins revenue ChatGPT earnings Sam Altman. https://fortune.com/2025/12/21/openai-compute-margins-revenue-chatgpt-earnings-sam-altman/

Future CISO. (2026). The industrialisation of cybercrime in 2026. https://futureciso.tech/the-industrialisation-of-cybercrime-in-2026/

Future Market Insights. (2025). Video streaming market. https://www.futuremarketinsights.com/reports/video-streaming-market

Instinctools. (2025). AI trends. https://www.instinctools.com/blog/ai-trends/

NQuiring Minds. (2025). EU AI Act imposes strict regulations on emotion recognition AI. https://nquiringminds.com/ai-legal-news/eu-ai-act-imposes-strict-regulations-on-emotion-recognition-ai/

Raconteur. (2025). Vibe coding is not enterprise ready. https://www.raconteur.net/technology/vibe-coding-is-not-enterprise-ready

Reelmind AI. (2025). OpenAI projections imply losses tripling to 14 billion in 2026. https://reelmind.ai/blog/openai-projections-imply-losses-tripling-to-14-billion-in-2026-ai-s-financial-future

Stellar Cyber. (2025). Agentic AI security threats. https://stellarcyber.ai/learn/agentic-ai-securiry-threats/

Superblocks. (2025). The enterprise vibe coding playbook. https://www.superblocks.com/blog/the-enterprise-vibe-coding-playbook

Technology's Legal Edge. (2025). EU AI Act spotlight on emotional recognition systems in the workplace. https://www.technologyslegaledge.com/2025/04/eu-ai-act-spotlight-on-emotional-recognition-systems-in-the-workplace/

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