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Souveränität durch Modularität: Warum Europa keine digitale Festung braucht

Echte Souveränität entsteht nicht durch "alles europäisch", sondern durch die Fähigkeit, jederzeit wechseln zu können – technisch, rechtlich, wirtschaftlich.

TLDR: Jeder Klick auf eine KI-Lösung ist mehr als eine technische Entscheidung – er definiert Zahlungsströme, Machtverteilung und Wertschöpfungsketten. Echte digitale Souveränität entsteht nicht durch Abschottung, sondern durch modulare Architekturen mit Exit-Fähigkeit. Das 4P-Framework (Place, Power, Price, Principles) zeigt, wie wir mit jeder Lizenzentscheidung zwischen Abhängigkeit und Gestaltungsmacht wählen. Europa braucht keine digitale Festung, sondern die Fähigkeit, jederzeit anders entscheiden zu können.

Jeder Klick ist ein Stimmzettel in der KI-Ökonomie

Verrückt eigentlich, dass es so lange brauchte, bis europäische Länder beim Thema digitale Souveränität zusammenstehen. Doch die geopolitischen Verwerfungen der letzten Jahre haben eine Wahrheit kristallklar gemacht: Souveränität bedeutet Entscheidungsfreiheit, nicht Isolation.

Jeder Login, jeder Prompt, jeder API-Call löst im Hintergrund Zahlungsströme aus. Diese fliessen zu Modellanbietern, Cloud-Plattformen und Investoren – meist in hochkonzentrierte, US-zentrierte Ökosysteme. Abo-Modelle, API-Gebühren und Enterprise-Lizenzen sorgen dafür, dass der Grossteil der Budgets bei wenigen Foundation-Model-Anbietern und Hyperscalern landet. Das verstärkt Markt- und Machtkonzentration weiter.

Ob wir US-SaaS, Open-Source-Modelle mit Enterprise-Support oder europäische Angebote lizenzieren, entscheidet direkt, in welche Wertschöpfungsketten unsere Mittel fliessen. Mit jeder Lizenzpräferenz – Closed versus Open, US-Cloud versus EU-Cloud, On-Premise versus Public Cloud – beeinflussen Unternehmen, ob sie Oligopole stärken oder eine diversere, regional verankerte KI-Landschaft ermöglichen.

Die Illusion der vollständigen digitalen Autarkie

Ein komplett europäischer Tech-Stack klingt politisch verlockend. In der operativen Realität ist er jedoch selten umsetzbar. Was wir stattdessen sehen, sind hybride Architekturen: Open Source als Fundament, US-Hyperscaler für globale Skalierung, europäische Dienste für kritische Komponenten.

Digital- und Technologiesouveränität wird zunehmend nicht als Abschottung definiert, sondern als Fähigkeit, eigene Ziele im Digitalen zu verfolgen. Seriöse Rahmenwerke betonen: Souveränität ist informierte Wahlfreiheit, kontrollierte Abhängigkeiten und Resilienz – keine technische Autarkie.

Die entscheidende Frage lautet nicht: "Ist alles europäisch?" Sondern: "Können wir unsere Strategie weiterführen, wenn ein Anbieter ausfällt oder die Spielregeln sich ändern?"

Modularität als Governance-Prinzip

Europäische Ansätze zu Cloud- und KI-Souveränität setzen konsequent auf modulare Architekturen. Das bedeutet: offene Standards, Open Source, portable Workloads und austauschbare Provider. Das Ziel ist, kritische Komponenten unter EU-Recht mit Transparenz und Exit-Optionen zu betreiben – selbst wenn andere Layer bewusst auf globalen Plattformen laufen.

In der Praxis entstehen dadurch risikobasierte Mischungen:

EU-Cloud oder souveräne Cloud für sensible Daten und kritische Workloads, die unter europäisches Recht fallen müssen.

US-Hyperscaler für globale Skalierung, Edge-Computing und Commodity-Services, wo Datensensibilität geringer ist.

Open-Source-Bausteine wie Kubernetes, Vektordatenbanken oder LLMs dienen als portable Kernschicht, um Lock-in zu reduzieren und Wechseloptionen zu bewahren.

Souveränität bemisst sich daran, ob du Schlüsselkomponenten im Zweifel selbst weiterbetreiben, migrieren oder substituieren kannst – juristisch, technisch und organisatorisch. Jeder Klick wird damit zur Architekturentscheidung: Welche Module dürfen US-APIs sein? Wo brauchen wir europäische Kontrolle? Wo erzwingen GDPR, AI Act oder Datenraum-Initiativen strengere Verankerung?

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Das 4P-Framework: Place, Power, Price, Principles

Für jede KI-Komponente oder Lizenzentscheidung lassen sich vier Dimensionen bewerten, die zusammen über echte Souveränität entscheiden:

Place – Rechtsraum und Standort

Wo laufen Daten und Services rechtlich und geografisch? Kritische Komponenten sollten EU-Recht unterliegen, Datenresidenz muss klar definiert sein. Exit-Szenarien müssen dokumentiert werden: Was passiert, wenn wir wechseln müssen? Sovereign Cloud Frameworks wie SEAL bieten hier Orientierung mit abgestuften Souveränitätsstufen.

Power – Abhängigkeit und Lock-in

Wie gross ist die technische Abhängigkeit vom Anbieter? Proprietäre Systeme schaffen Lock-in, Open Source ermöglicht Kontrolle. Standard-APIs und containerisierte Workloads erhöhen Portabilität. Multi-Cloud-Fähigkeit sichert Ausweichmöglichkeiten. Die Frage ist: Können wir die Komponente ersetzen, ohne das gesamte System neu bauen zu müssen?

Price – Kosten über den Lebenszyklus

Was kostet die Lösung wirklich? Nicht nur Lizenzgebühren zählen, sondern auch Daten-Egress-Kosten, Migrations- und Umstiegskosten. Günstige Einstiegsangebote können durch hohe Wechselbarrieren teuer werden. Total Cost of Ownership über mehrere Jahre muss transparent sein.

Principles – Werte und Compliance

Passt die Lösung zu unseren Werten und regulatorischen Anforderungen? GDPR- und AI-Act-Compliance sind Pflicht, nicht Option. Transparenz über Trainings- und Verarbeitungsmethoden wird zunehmend relevant. Auditierbarkeit muss gewährleistet sein. Der Umgang mit Trainingsdaten entscheidet über ethische Vertretbarkeit.

Verantwortung der Einkäufer:innen: Impact-Investments in Infrastruktur

Einkaufsentscheidungen für KI sind Impact-Investments. Sie definieren, welche Innovationsräume finanziert und welche Governance-Modelle standardisiert werden. Wer nur auf kurzfristigen Preis und Convenience schaut, externalisiert Kosten auf Datenschutz, Wettbewerbsfähigkeit und regionale Wertschöpfung.

Wer bewusst lizenziert, kann Datenschutz, Fairness und lokale Ökosysteme gezielt mitfinanzieren. Europäische Strategien zu Digital- und Daten-Souveränität betonen genau diese Kontrolle über Daten und KI-Infrastruktur als entscheidend, um wirtschaftliche Abhängigkeiten zu reduzieren.

Modelle wie ein europäischer Daten-Commons oder souveräne Cloud-Frameworks zielen darauf ab, Lizenzgebühren und Datenflüsse so zu gestalten, dass europäische Inhalte vergütet und europäische KI-Anbieter gestärkt werden. Jede Lizenzentscheidung verteilt Budget entlang Place, Power, Price und Principles – sie ist ein "Vote" für bestimmte Ökosysteme und Wertschöpfung.

Layer-Modell für hybride Stacks

In der Praxis hilft ein Schichtenmodell, modulare Entscheidungen zu treffen:

Infra/Cloud-Layer: Hier entscheidet sich die grundlegende Souveränität. Sovereign Cloud für sensitive Daten, Hybrid-Cloud für mittlere Risiken, Public Cloud für unkritische Commodity-Services. Datenklassifizierung ist der erste Schritt.

Data/Platform-Layer: Datenbanken, Feature Stores, Vektorstores – alles möglichst containerisiert und standardisiert für Portabilität. Open-Source-Komponenten wie PostgreSQL, Redis oder Weaviate bieten hier Flexibilität.

KI/Service-Layer: Mix aus Open-Source-LLMs (Llama, Mistral), europäischen Services (Aleph Alpha, APERTUS) und gezielt genutzten US-APIs, abhängig von Risiko und Use Case. Kritische Anwendungen bleiben kontrollierbar, experimentelle können globale Dienste nutzen.

Risk-based Decision Flow: Vier Schritte zur souveränen Entscheidung

Für jede neue KI-Komponente hilft dieser Entscheidungsfluss:

Schritt 1: Daten- und Use-Case-Klassifizierung. Ist der Anwendungsfall kritisch, reguliert, intern oder öffentlich? Welche Datenkategorien werden verarbeitet?

Schritt 2: Regulatorische und Souveränitäts-Anforderungen bestimmen. GDPR, DORA, AI Act, branchenspezifische Vorgaben – welche gelten? Welche Souveränitätsstufe ist minimal erforderlich?

Schritt 3: Optionen bewerten entlang der 4P-Dimensionen. Mindest-Schwellen definieren, etwa "kritische Daten nur SEAL-3" oder "keine proprietären APIs für Kernfunktionen".

Schritt 4: Modularität sicherstellen. Container-Architekturen, offene Schnittstellen, dokumentierter Exit-Plan und Migrationspfad. Die technische Schuld von morgen wird heute vermieden.

Gestaltungsmacht statt Abschottung

Jeder Klick auf KI-Tools ist eine wirtschaftliche, politische und ethische Weichenstellung, die Zahlungsströme, Machtverteilung und Wertschöpfungsketten definiert. Echte Souveränität entsteht nicht durch komplette Autarkie, sondern durch modulare Architekturen mit Exit-Fähigkeit und informierter Wahlfreiheit. Das 4P-Framework (Place, Power, Price, Principles) ermöglicht bewusste Lizenzentscheidungen, die technische, rechtliche und wirtschaftliche Gestaltungsmacht sichern.

Hybride Stacks aus EU-Clouds für kritische Workloads, US-Hyperscalern für Skalierung und Open-Source-Bausteinen als portable Kernschicht sind die praktische Realität souveräner Architekturen. Einkaufsentscheidungen für KI sind Impact-Investments, die entscheiden, ob wir Oligopole stärken oder diverse, regional verankerte Ökosysteme ermöglichen.

Die Kernfrage lautet nicht "Ist alles europäisch?", sondern "Können wir unsere Strategie weiterführen, wenn sich Spielregeln ändern?"

Roger Basler de Roca

Souverän sind wir nicht, wenn alles europäisch ist, sondern wenn wir dank Modularität jederzeit anders entscheiden könnten – technisch, rechtlich und wirtschaftlich. Das ist der Kern echter digitaler Souveränität.

Autarkie ist eine Vision, die politisch mobilisiert. Modularität ist ein Werkzeug, das operativ funktioniert. Gestaltungsmacht ist das Ziel, das langfristig Wettbewerbsfähigkeit sichert.

Europa braucht keine digitale Festung mit hohen Mauern. Europa braucht offene Architekturen mit klaren Ausstiegstüren. Nicht die Herkunft der Technologie entscheidet über Souveränität, sondern unsere Fähigkeit, bewusst zu wählen, zu wechseln und zu gestalten.

Und darum bin ich nach wie vor überzeugt: Die Zukunft gehört nicht mehr dem Tippen und Klicken, sondern dem gemAInsamen arbeiten mit intelligenten Systemen. Wir stehen am Beginn einer Ära, in der die Grenzen zwischen Mensch und Maschine durch Sprache neu definiert werden – einer Ära, in der wir mit unseren Computern nicht mehr über Tastaturen und Mäuse kommunizieren, sondern durch die natürlichste Form der menschlichen Interaktion: das Gespräch. Also wenn Du reden willst, und wenn Du mit mir zusammenarbeiten willst: melde Dich gerne www.rogerbasler.ch

Disclaimer: Dieser Artikel wurde nach meinem eigenen Wissen und dann mit Recherchen mit KI (Perplexity.Ai und Grok.com sowie Gemini.Google.com) manuell zusammengestellt und mit Deepl.com/write vereinfacht. Der Text wird dann nochmals von zwei Personen meiner Wahl gelesen und kritisch hinterfragt. Das Bild stammt von Ideogram.Ai und ist selbst erstellt. Dieser Artikel ist rein edukativ und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bitte melde dich, wenn Du Ungenauigkeiten feststellst, danke.

Quellen und weitere Informationen:

CISERO Project. (n.d.). EU cloud sovereignty framework: Context, relevance and perspectives IPCEI CIS ecosystem. https://cisero-project.eu/news/eu-cloud-sovereignty-framework-context-relevance-and-perspectives-ipcei-cis-ecosystem

CLFI. (n.d.). AI economy: Circular investment energy demand. https://clfi.co.uk/insights/ai-economy-circular-investment-energy-demand/

Cloud13. (2025, July 12). Rethinking digital sovereignty: From decentralized control to a cloud NATO for Europe. https://www.cloud13.ch/2025/07/12/rethinking-digital-sovereignty-from-decentralized-control-to-a-cloud-nato-for-europe/

CREATE. (2025, February 24). The AI licensing economy. https://www.create.ac.uk/blog/2025/02/24/the-ai-licensing-economy/

Elms, D. (2021, September). Digital sovereignty: Protectionism or autonomy? Hinrich Foundation. https://www.wita.org/wp-content/uploads/2021/09/Digital-sovereignty-protectionism-or-autonomy-Hinrich-Foundation-Deborah-Elms-September-2021.pdf

European Commission. (n.d.). Building a sovereign and secure digital future: How DIGIT can help you become a digital innovator. https://ec.europa.eu/digital-building-blocks/sites/spaces/DIGITAL/pages/894305417/Building+a+sovereign+and+secure+digital+future+How+DIGIT+can+help+you+become+a+digital+innovator

European Commission. (n.d.). Cloud sovereignty framework. https://commission.europa.eu/document/download/09579818-64a6-4dd5-9577-446ab6219113_en

N-iX. (n.d.). EU digital sovereignty. https://www.n-ix.com/eu-digital-sovereignty/

Northwave Cybersecurity. (n.d.). What digital autonomy and sovereignty mean for EU organisations. https://northwave-cybersecurity.com/article/what-digital-autonomy-and-sovereignty-mean-for-eu-organisations

Oxford Internet Institute. (n.d.). Uphold digital sovereignty, avert digital autarky. https://www.oii.ox.ac.uk/news-events/uphold-digital-sovereignty-avert-digital-autarky/

Passhulk. (n.d.). Sovereign cloud vs public cloud: Europe comparison. https://passhulk.com/blog/sovereign-cloud-vs-public-cloud-europe-comparison/

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