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Warum ChatGPT untergehen oder gekauft wird - eine Analyse der OpenAI-Zukunft
OpenAI steht am Scheideweg – nicht wegen mangelnder Nachfrage, sondern wegen eines finanziellen Lochs von möglicherweise 143 Milliarden USD bis 2029.

TLDR: OpenAI steht am Scheideweg – nicht wegen mangelnder Nachfrage, sondern wegen eines finanziellen Lochs von möglicherweise 143 Milliarden USD bis 2029. Ein klassischer Bankrott ist unwahrscheinlich, da Microsoft das Unternehmen faktisch nicht fallen lassen kann. Stattdessen erleben wir eine schleichende Machtübernahme durch ein Triumvirat aus Microsoft, Nvidia und Staatsfonds. Die provokante Frage: Was wäre, wenn ChatGPT morgen 20 USD für alle kosten würde? Die Antwort ist paradox – mehr Umsatz, aber strategischer Selbstmord. Nun sie starten mal mit 8 USD und mit Werbung.
Die finanzielle Realität hinter dem KI-Hype
Wenn du glaubst, OpenAI sei ein unverwundbarer Tech-Gigant, dann halt dich fest. Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Im ersten Halbjahr 2025 erwirtschaftete OpenAI rund 4,3 Milliarden USD Umsatz. Klingt beeindruckend? Ja, bis du erfährst, dass im gleichen Zeitraum operative Verluste von etwa 2,5 Milliarden USD aufgelaufen sind. Das Unternehmen verbrennt Geld schneller, als es die Server anwerfen kann.
Die Burn-Rate ist atemberaubend: Prognosen gehen davon aus, dass OpenAI bis 2029 kumuliert bis zu 143 Milliarden USD verbrennen könnte. Allein für 2026 wird ein Cash-Loch von rund 17 Milliarden USD erwartet. Analyst:innen der HSBC rechnen nicht damit, dass OpenAI vor 2029 oder 2030 profitabel wird. Aus eigener Kraft – im Silicon-Valley-Jargon „Bootstrapping" genannt – kann OpenAI schlicht nicht überleben. Das Geld muss von aussen kommen.
Full Circle: OpenAI wird zum neuen Google
Und dann kam diese Woche die Bestätigung dessen, was wir alle geahnt haben. Am 16. Januar 2026 verkündete OpenAI zwei Nachrichten, die das Unternehmen endgültig in die Riege der klassischen Tech-Giganten katapultieren: ChatGPT Go für 8 USD pro Monat – und Werbung.
Lies das nochmal: Werbung in ChatGPT.
Sam Altman, der noch 2024 in Interviews sagte, er "hasse" Werbung und die Kombination von Ads und KI sei "einzigartig beunruhigend", hat den Schalter umgelegt. Die offizielle Begründung klingt vertraut: "Werbung unterstützt unser Engagement, KI für alle zugänglich zu machen." Das haben wir schon von Google gehört. Und von Facebook. Und von jedem anderen Unternehmen, das irgendwann feststellte, dass Nutzer:innendaten die profitabelste Währung im Internet sind.
ChatGPT Go wurde zuerst im August 2025 in Indien eingeführt - als günstiger Einstieg für Schwellenländer. Jetzt rollt es weltweit aus: 8 USD für zehnmal mehr Nachrichten, mehr Bildgenerierung, längeres Gedächtnis. Das Kalkül ist klar: Lieber viele kleine Zahler:innen als wenige grosse. Und wer wenig oder gar nichts zahlen will? Der bekommt Werbung serviert - "am Ende der Antworten, klar gekennzeichnet und von der organischen Antwort getrennt", wie OpenAI betont.
Wo erscheint Werbung? Am Ende von Antworten, wenn es ein relevantes gesponsertes Produkt oder eine Dienstleistung basierend auf dem aktuellen Gespräch gibt. Anzeigen werden klar gekennzeichnet und von der organischen Antwort getrennt.
Was wird geschützt? OpenAI betont: Antworten werden nicht von Werbung beeinflusst. Gespräche bleiben privat und werden nicht an Werbetreibende verkauft. Nutzer:innen können die Personalisierung ausschalten und für Anzeigen genutzte Daten jederzeit löschen.
Wer sieht keine Werbung? Nutzer:innen unter 18 Jahren sowie bei sensiblen oder regulierten Themen wie physischer oder psychischer Gesundheit und Politik.
OpenAI begründet den Schritt mit der Mission, KI für alle zugänglich zu machen: "Werbung hilft uns, ChatGPT auch weiterhin zu kostenlosen und erschwinglichen Preispunkten anzubieten." Langfristig soll Werbung Teil eines diversifizierten Umsatzmodells sein – neben dem bereits starken Unternehmens- und Abonnementgeschäft.
Moment übrigens nur in der USA.
Wer kauft OpenAI? Die Antwort ist komplizierter als gedacht
Und mal ehrlich, eventuell ist das sowie nun egal, denn viel Geld wird es nicht einbringen und eine weitere Kapitalrunde wird sehr hart zu finanzieren. Und die Frage “Wer kauft OpenAI?" ist eigentlich schon zu 27 Prozent beantwortet. Microsoft hat sich im Oktober 2025 einen Anteil von 27 Prozent gesichert - bei einer Bewertung von rund 135 Milliarden USD. Aber Microsoft ist nicht allein im Spiel.
OpenAI hat sich von einer reinen Non-Profit-Struktur zu einer Public Benefit Corporation (PBC) gewandelt. Das ist der klassische Vorbote für einen Börsengang. 2026 gilt als das “Make-or-Break"-Jahr: OpenAI muss in diesem Jahr geschätzte 100 Milliarden USD aufnehmen, um die Rechenzentren für kommende Modelle zu finanzieren.
Das Triumvirat der Macht: Wem gehört OpenAI wirklich?
Neben Microsoft haben sich drei weitere Machtblöcke in Position gebracht:
SoftBank als Finanz-Joker: Der japanische Tech-Investor Masayoshi Son hat Ende 2025 zwischen 30 und 40 Milliarden USD in OpenAI gesteckt. Sein Motiv: Die Vision einer künstlichen Superintelligenz mit OpenAI als Herzstück seines Portfolios. Dafür verkaufte er Anteile an Nvidia und Alibaba, um Cash für diesen Deal freizumachen.
Nvidia als Hardware-Pate: Der Chipgigant ist vom reinen Lieferanten zum strategischen Investor aufgestiegen. Eine Partnerschaft im Volumen von 100 Milliarden USD sichert Nvidia nicht nur Chip-Lieferungen, sondern auch eine direkte Beteiligung. Das ist defensive Absicherung: OpenAI braucht die Chips, Nvidia braucht die Garantie, dass OpenAI nicht plötzlich eigene Chips mit AMD oder Broadcom entwickelt.
Staatsfonds als stille Macht: Da westliches Risikokapital für die benötigten Billionen-Summen nicht ausreicht, springen Staaten ein. MGX, ein Technologie-Investmentfonds aus Abu Dhabi, war Ankerinvestor bei der Bewertungsexplosion auf 500 Milliarden USD im Oktober 2025. Das Geld fliesst primär in den Bau physischer Infrastruktur – Stichwort Projekt „Stargate".
Die Quintessenz: OpenAI gehört niemandem mehr allein. Es gehört einem Triumvirat aus Microsoft (Cloud/Software), Nvidia (Hardware) und SoftBank/MGX (Finanzierung).
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Das 20-Dollar-Gedankenspiel: Was wenn alle für ChatGPT bezahlen müssten?
Man nennt es auch den Lackmustest: Aktuell nutzen rund 400 Millionen Menschen ChatGPT täglich. Aber hier kommt der Haken: 81 Prozent davon nutzen die kostenlose Version. Nur etwa 12 Millionen zahlen für das Plus-Abo. Was passiert, wenn OpenAI den kostenlosen Zugang streicht und jede:n zur Zahlung von 20 USD zwingt? Wie oben beschrieben starten sie mal mit 8 USD, aber ist das nur ein Test um zu sehen, wie Preis-sensitiv die Menschen sind? Folgendes könnte passieren:
Der Nutzer:Innen-Exodus: Branchenüblich konvertieren bei einem Wechsel von Freemium zu Paid-Only nur 1 bis 3 Prozent der Gratis-Nutzer:innen. Bei ChatGPT bedeutet das: Die Nutzerzahl würde von 400 Millionen auf etwa 20 bis 30 Millionen abstürzen. Ein Verlust von über 90 Prozent der Reichweite.
Das Umsatz-Paradox: Trotzdem würde der Umsatz kurzfristig explodieren. Selbst bei einer pessimistischen Konvertierungsrate von nur 1 Prozent – also 16 Millionen zahlende Nutzer:innen – würde OpenAI mehr Umsatz generieren als heute. Bei einer realistischen Rate von 3 bis 5 Prozent sprechen wir von 6 bis 7,2 Milliarden USD Jahresumsatz allein aus dem Consumer-Geschäft.
Der wahre Gewinn liegt in den Kosten: Die eigentliche Ersparnis kommt nicht nur durch mehr Einnahmen, sondern durch den Wegfall gigantischer Serverkosten. Jeder Gratis-Chat kostet OpenAI Rechenleistung. Wenn 370 Millionen Gratis-Nutzer:innen wegfallen, spart OpenAI jährlich Milliarden an Betriebskosten. Das Unternehmen wäre über Nacht hochprofitabel.
Ein 20-Dollar-Zwang wäre der finanziell intelligenteste, aber strategisch dümmste Schachzug. Drei Gründe sprechen dagegen:
Datenverlust: Die Gratis-Nutzer:innen sind die Testpilot:innen und Datenlieferant:innen. Ohne ihre Prompts und das Feedback (RLHF – Reinforcement Learning from Human Feedback) verliert OpenAI den Vorsprung beim Modell-Training.
Der Google-Effekt: Wenn ChatGPT 20 USD kostet, wechseln Millionen Nutzer:innen sofort zu Google Gemini oder Claude, die weiterhin kostenlose Einstiegsmodelle anbieten. OpenAI würde seine Marktführerschaft über Nacht verlieren.
Der Ökosystem-Trichter: Die kostenlose Version ist der Funnel für Enterprise-Kund:innen. Wer privat ChatGPT nutzt, fordert es auch im Büro. Fällt die private Nutzung weg, schrumpft langfristig das B2B-Geschäft.
Was stattdessen passieren wird und bereits im Gange ist
Statt einer harten Paywall wird die Gratis-Version weiter eingeschränkt: begrenzte Chats pro Tag, langsamere Modelle, weniger Features und ein günstiges “GO” Modell und Werbung. Die wirklich smarten Funktionen wie die Reasoning-Modelle o1 und o3 werden exklusiv und teurer – siehe den neuen 200-Dollar-Pro-Plan. Die Strategie ist klar: Nutzer:innen sanft ins Abo drängen, ohne sie komplett zu verjagen.
Denn OpenAI verbrennt bis zu 17 Milliarden USD pro Jahr und wird vor 2029 nicht profitabel sein. Microsoft hält 27 Prozent, aber das Unternehmen gehört faktisch einem Triumvirat aus Tech-Giganten und Staatsfonds. Ein 20-Dollar-Zwangsabo würde kurzfristig Milliarden bringen, aber 90 Prozent der Nutzer:innen vertreiben und die Marktführerschaft an Google verschenken.
Die wahrscheinliche Entwicklung: Mehr und mehr stufenweise Einschränkung der Gratis-Version statt harter Paywall. 2026 wird das entscheidende Jahr für IPO und Zukunft des Unternehmens. Aber wenn Google so weiter macht, wird das ohnehin super schwer, wie ich im November vorausgesagt habe:
Und genau deshalb bleibe ich bei meiner Überzeugung: Die Zukunft gehört nicht mehr dem Tippen und Klicken, sondern souveränen Systemen.
Ob OpenAI diese Zukunft dominiert, Microsoft sie kontrolliert oder ein ganz anderer Player das Rennen macht – am Ende zählt, wie wir diese Werkzeuge für uns nutzen. Die Technologie ist da. Die Frage ist nur: Bist du bereit, mitzureden? Mehr Wirksamkeit, weniger Hype!
Also wenn du reden willst, und wenn du mit mir zusammenarbeiten willst: melde dich gerne www.rogerbasler.ch
Quellen und weitere Informationen:
eMarketer. (2025). OpenAI forecast: 143 billion loss raises stakes for AI monetization. https://www.emarketer.com/content/openai-forecast-143-billion-loss-raises-stakes-ai-monetization
Fortune. (2025, November 26). Is OpenAI profitable? Forecast data center 200 billion shortfall. https://fortune.com/2025/11/26/is-openai-profitable-forecast-data-center-200-billion-shortfall-hsbc/
Bloomberg. (2025, October 28). Microsoft to get 27% of OpenAI, access to AI models until 2032. https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-10-28/microsoft-to-get-27-of-openai-access-to-ai-models-until-2032
The Economist. (2025, December 29). OpenAI faces a make-or-break year in 2026. https://www.economist.com/business/2025/12/29/openai-faces-a-make-or-break-year-in-2026
CNBC. (2025, December 30). SoftBank OpenAI investment. https://www.cnbc.com/2025/12/30/softbank-openai-investment.html
Reuters. (2025, October 6). Companies pouring billions to advance AI infrastructure. https://www.reuters.com/business/autos-transportation/companies-pouring-billions-advance-ai-infrastructure-2025-10-06/
Arageek. (2025). UAE's MGX injects 6.6B into OpenAI, valuation hits 500B. https://en.arageek.com/uaes-mgx-injects-6-6b-into-openai-valuation-hits-500b
SQ Magazine. (2025). ChatGPT statistics. https://sqmagazine.co.uk/chatgpt-statistics/



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